Das Projekt
Die Ovidischen Fabeln sind einer der wichtigsten Gegenstände in der Bildhauer- und Malerkunst. Ohne deren genaue Kenntniß [sic] ist der Künstler nicht imstande, die Alten nachzuahmen, der Liebhaber und Gelehrte kann kein Kenner der Kunstwerke sein, noch ein hin- längliches Urteil über die vorkommenden Statuen und Gemälde der alten sowohl als der neueren fällen, wenn er sich diese Fabeln und die damit verknüpfte Götterlehre nicht genügsam bekannt gemacht hat.
Jacob Volkmann, 1772
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Wie Johann Jacob Volkmann hier in einer 1772 erschienenen Auflage der Teutschen Academie von Joachim von Sandrart betont, ist das antike Gedicht der Metamorphosen von Publius Ovidius Naso unumgänglich für eine Beschäftigung mit der Kunst. Davon zeugt auch die Tatsache, dass die Teutsche Academie im zweiten Teil und darüber hinaus auch das Het Schilderboeck von Carel van Mander eine Prosaübersetzung enthielten. Die Bedeutung der unerschöpflichen Inspirationsquelle Ovids reicht sogar so weit, dass sie gemeinhin „Bibel des Malers“ genannt oder das Wort „ovidisch“ als Synonym für „mythologisch“ bezeichnet wird. Auch Erwin Panofsky schließt daran an und spricht dem Dichter – gemessen an der gewaltigen Bandbreite der mythologischen Geschichten und der Fülle an Rezeption – die herausragendste Stellung unter den antiken Autoren zu. So ist die Kenntnis des monumentalen Schaffenswerkes auch über 2000 Jahre nach seiner Entstehung noch Voraussetzung für die ikonographische Analyse kunsthistorischer Darstellungen und zählt zu den Grundkenntnissen für jede:n Kunsthistoriker:in.
Aufgrund dieses kanonischen Stellenwertes der Metamorphosen verfolgt das vorliegende Masterarbeitsprojekt das Ziel, neue Zugänge zu diesem Werk und den in Relation gesetzten Bildwerken zu schaffen. Mithilfe der technischen Mittel einer Webanwendung (HTML, CSS und JavaScript) soll das seit Jahrhunderten vorhandene Wissen in eine neue Form gebracht werden, die durch ein iteratives Vorgehen erfahrbar ist und dazu inspiriert, neue Fragen an einen alten Bestand zu stellen. Die hier entwickelte Visualisierung soll dabei mithilfe zweier unterschiedlicher Ansätze dabei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, die beim linearen Lesen schwer wahrnehmbar sind und dadurch dazu anregen, sich näher mit der antiken Textvorlage sowie den dazugehörigen Kunstwerken auseinanderzusetzen: Zum einen soll im Rahmen dieses Projektes eine Text-Bild-Ausgabe entstehen, welche die auf Grundlage der Metamorphosen geschaffenen Kunstwerke in stärkeren Zusammenhang mit dem zugrundeliegenden Text stellen soll; zum anderen soll es möglich sein, eine Auswahl an Metamorphosen nach verschiedenen Wissenskategorien anzuordnen und dadurch Fragen nach dem örtlichen Rahmen der Geschichten, der taxonomischen Zugehörigkeit der Verwandelten oder an den kausalen Hintergrund zu stellen bzw. diese Kategorien sogar miteinander zu verknüpfen. Da die Aufnahme aller Verwandlungsgeschichten und den dazugehörigen Kunstwerken den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde, soll der Vermittlungsgegenstand exemplarisch auf 60 Verwandlungen und ausgewählte Darstellungen eingegrenzt werden. Die hier entstehende Anwendung wird demnach vorerst als Prototyp entwickelt, der vor allem die Durchführbarkeit des Vorhabens belegen soll. Die weitere Vervollständigung der Inhalte und Darstellungen sowie eine konsequente Ausdokumentierung des Codes soll im Anschluss jedoch weiterverfolgt werden.
Als Grundlage für das Projekt dient die jüngste deutschsprachige Übersetzung der Metamorphosen, die 2017 von Niclas Holzberg veröffentlicht wurde. Aus der Forschung desselben führt auch eine Monografie zu den Verwandlungsgeschichten aus dem Jahr 2016 ein. Sehr aufschlussreich sind zudem die Veröffentlichungen von Michael von Albrecht, der eigens für seine Metamorphosen-Übersetzung 2004 den Johann-Heinrich-Voß-Preis erhielt: Darunter die Monografie des Jahres 2014, die Texte, Themen, Illustrationen zu dem antiken Gedicht behandelt. Die neueste Gesamtdarstellung des Dichters und seiner Verwandlungssagen bietet schließlich das diesjährig erschiene Ovid-Handbuch von Melanie Möller , in dem der Aufsatz von Michael Thimann einen größeren Überblick zur ovidischen Kunst verschafft. Nicht weniger aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die Monografien von Christoph Wetzel und Christa Lichtenstern oder die Aufsätze von Udo Reinhard und Christopher Allen.
Diese Visualisierung basiert auf einem Projekt, das im Rahmen einer Masterarbeit an der
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
entstanden ist: Digitale Anwendung zur Vermittlung der Metamorphosen Ovids.
Unter der Betreuung von Prof. Dr.
Peter
Bell
und der kompetenten Beratung von Dirk
Suckow, M.A.
und Philipp Kurth, M.Sc.
Als Inspiration dienten die Projekte:
• VIKUS der FH Potsdam
• Welscher Gast Digital der Universität Heidelberg.
Anmerkungen und Fehlermeldungen bitte an:
Katharina Hefele, katharina.hefele@fau.de